Archiv für die Kategorie ‘US-Wahl’

Grande Dame dankt ab

Juni 7, 2008

In einem Washingtoner Museum dankte heute Nachmittag die „Große Dame“ der US-amerikanischen Vorwahlen offiziell ab. Hillary Clinton stellt sich ab sofort hinter ihren demokratischen Dauerkonkurrenten Barack Obama und wird ihn fort an im Hauptwahlkampf (general election) unterstützen. Sicherlich nicht ohne Hintergedanken. Clinton möchte nicht leer ausgehen. Ihr einst hochgesetztes und ehrgeiziges Ziel, die erste amerikanische Präsidentin zu werden, musste sie in den letzten Wochen begraben. Nun tritt sie zurück, zugunsten des jüngeren, offener wirkenden und charmanten Barack Obama.

Allerdings steht eine Frage im Raum, die die Gemüter öffentlich erhitzt: Wird Hillary Clinton die offizielle Nominierung für die Vizepräsidentschaft? Noch halten sich alle Beteiligten bedeckt, auch wenn es vor zwei Tagen das erste konspirative Treffen zwischen den beiden Demokraten gab. Ergebnisse wurden bis dato nicht ausgeplaudert. Wir dürfen also gespannt sein!

Ob Clinton allerdings die richtige Besetzung auf dem Vizeposten wäre, wird von vielen zwiespältig gesehen.
Sie bringt alles das mit, was Obama nicht hat – aber sie ist auch ein Garant für das „alte Establishment“, das die Amerikaner so fürchten.

Allerdings können wir davon ausgehen, dass die Wahl im November auch mit dem Vizepräsidenten entschieden wird. Hoffen wir nur, dass McCain und Obama eine glücklichere Hand beweisen bei der Auswahl ihres Vizes als es George W. Bush Jr. in 2004 getan hat.

In diesem Sinne: Goodbye Grande Dame – the show must go on!

JS

Security counts – Sicherheit zählt!

Mai 17, 2008

Überall wird Sicherheit groß geschrieben, besonders in den USA. Denn nach Erlebnissen des 11. September 2001 haben die Amerikaner ein neues Sicherheitsbewusstsein entwickelt. Bemerkbar macht sich dies bei der Einreise in die USA, aber auch in den vielen öffentlichen Einrichtungen, die ihre Sicherheitsvorkehrungen in den letzten Jahren verschärft haben. Auch im jetzigen Wahlkampf spielt die Sicherheit eine große Rolle, ob nun als eigenes Thema oder als Schutz der Kandidaten. So wird der demokratische Präsidentschaftsanwärter Barack Obama seit Beginn des letzten Jahres von der CIA, dem amerikanischen Geheimdienst, beschützt.

Auch das Thema Irak-Krieg ist ein nicht mehr wegzudenkendes Wahlkampfthema: Gerade erst hat der republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain geäußert, dass er diesen Krieg bis zum Jahr 2013 für die Amerikaner gewinnen wolle. Während Clinton und Obama sich für einen Rückzug der US-Truppen aus dem Irak aussprechen, will McCain die Soldaten im Krisengebiet aufstocken. Alleine dieses Thema hat für genug Wirbel in den letzten Wochen gesorgt.

Aber auch die Sicherheit im privaten Bereich hat an Bedeutung gewonnen. Nach vielen Schulmassakern in den USA, bei denen Schüler sich selbst, Lehrer und Mitschüler getötet haben, diskutieren die USA den privaten Waffenbesitz. Es verwundert mit Hinblick auf die Einstellung zum Irak-Krieg kaum, dass wiederum die demokratischen Präsidentschaftsanwärter Obama und Clinton die Rechte privater Waffenbesitzer einschränken wollen.
McCain allerdings versucht die große Waffenlobby für sich zu gewinnen, obwohl auch er sich für Einschränkungen beim Waffenkauf ausspricht. Am Freitag trat McCain im Bundesstaat Kentucky bei der „NRA“, der „National Rifle Association“ auf, einer sehr einflussreichen und starken Waffenlobby. Er ist auf diese Stimmen bei den Wahlen im November angewiesen.
Es steht nun die Frage im Raum: Spielt John McCain mit der Sicherheit der Amerikaner bezüglich des Irakkriegs und des Waffenbesitz und zählt Sicherheit wirklich?

JS

John Edwards – der Mann weiß was er will

Mai 17, 2008

Man könnte ihn schon fast den ewigen Dritten nennen. John Edwards – schon 2004 versuchte er sein Glück, demokratischer Präsidentschaftskandidat zu werden. Leider konnte er nicht beim amerikanischen Volk punkten, wie er zunächst angenommen hatte.

Auch in diesem Jahr reihte sich Edwards zunächst in den Reigen der Mitstreiter um die begehrte Nominierung zum demokratischen Präsidentschaftskandidaten ein. Doch auch dieser Wahlkampf sollte es nicht gnädig mit ihm meinen, sah es zu Beginn ganz anders aus. Den Auftakt der Vorwahlen im US-Bundesstaat Iowa konnt er mit 30 % der Wählerstimmen für sich gewinnen und belegte damit knapp hinter Obama und vor Clinton den zweiten Platz.

Aber John Edwards wäre eben nicht jener erfolgreiche Anwalt, wenn er trotz misslungenen Verlaufs der Vorwahlen auf das richtige Pferd setzen würde. Aus einer sozial schwachen Schicht hat Edwards vor seiner politischen Karriere den Aufstieg zum knallharten Toplawyer gemeistert. Sein Privatvermögen wird auf mittlerweile über 30 Millionen US-$ geschätzt. Geld, das er übrigens mit zwei einzelnen Prozessen gewonnen hat – als er als Topanwalt die Interessen der unteren Mittelschicht vertreten hat. Kein Zweifel – John Edwards weiß was er will!

Nun positioniert sich Edwards im demokratischen Zweikampf zwischen Barack Obama und Hillary Clinton und ergreift Partei für seinen vorherigen innerparteilichen Konkurrenten Obama. Es ist sowohl für Obama als auch für Edwards eine Win-Win-Situation: Edwards hat bei der weißen Arbeiterschicht in den USA gepunktet, eine Zielgruppe, die eigentlich Hillary Clinton vorbehalten ist im Kampf gegen Obama. Nun könnte aber Obama ausgerechnet mit Edwards Hilfe die so wichtigen Stimmen der weißen Arbeiter Hillary Clinton abtrünnig machen.

Mit seiner offziellen und öffentlichen Positionierung ist nun Edwards selbst im Gespräch als Obamas möglicher Vizepräsident. Doch ob diese Rechnung ohne Hillary Clinton aufgeht? Es bleibt also spannend im Kampf um das Weiße Haus in Washington DC – den Edwards weiß was er will!

JS

Obama ist in West Virginia nicht zuhause

Mai 17, 2008

Gestern Abend, 21 Uhr in Washington DC: Ich bestelle mir gerade eine überdimensional große „Hot Chocolate“ in meinem Lieblingscafé auf dem „Capital Hill“, als die ersten Bilder der Vorwahlen in West Virginia über den Flatscreen laufen. Sofort nehme ich die Sofaecke im Café in Beschlag, um den Worten der Siegerin Hillary Clinton zu lauschen. Ein bisschen erinnert sie mich in ihrem korallfarbenen Outfit an unsere Bundeskanzlerin, aber spätestens als sie nach den Arme hochreißenden Siegerposen mit ihrer Rede beginnt, erlischt der Glanz.

Schon vorher stand fest, dass Hillary Clinton den Staat West Virginia für sich entscheiden würde und schon vorher war ebenfalls klar, dass Obama nicht wirklich auf diesen Staat setzen würde. Zur Ergebnisverkündung war er jedenfalls schon lange nicht mehr in West Virginia unterwegs, sondern mit der Vorbereitung der Wahlen im November beschäftigt. Während Hillary den Menschen vor dem Fernseher und vor Ort erklärt, wie wichtig ihr die Menschen in West Virginia seien und welche Erlebnisse sie in den letzten Tagen dort gemacht habe, ist Barack Obama bereits mit wichtigeren Dingen beschäftigt. Er gilt spätestens seit letzter Woche als sicherer Kandidat der Demokraten für die Präsidentschaftswahlen im November, auch wenn das offiziell noch nicht bestätigt wurde und das Clinton-Team es auch nicht wahrhaben will.

Clinton betont vehement, dass sie nicht aufgeben wolle und auch nach dem Ende der Vorwahlen am 3. Juni weiter kämpfe, um die demokratische Präsidentschaftskandidatin zu werden. Das letzte Wort in diesem „Battle“ haben die Superdelegierten am 24. August. Dann wird spätestens entschieden ob der demokratische Kandidat Barack Obama oder Hillary Clinton heißt. Die Chance, dass Clinton die Superdelegierten noch ausreichend für sich gewinnen kann, scheint zumindest nach Mediensicht fast aussichtslos. Warum sich aber die beiden demokratischen Lager zerfleischen und nicht gemeinsam in den Wahlkampf ziehen, um für ihre eine Partei zu kämpfen, ist immer mehr ein Mysterium und auch für mich unerklärlich.

Barack Obamas Frau Michelle hat erst vor einigen Tagen gesagt, dass es kein gemeinsames Ticket geben wird mit ihrem Mann und Hillary Clinton – also kein Team mit Obama als Präsidentschaftskandidaten und Clinton als Vizepräsidentin. Obamas Berater raten allerdings dazu, doch über einen gemeinsamen Wahlkampf zur Wahl im November nachzudenken. Hillary Clinton könnte damit zwar nicht die erste Präsidentin der USA werden, aber immerhin die erste Vizepräsidentin. Sie wäre damit die Anwärterin auf die Präsidentschaft, wenn Obama etwas zustoßen würde und er nicht in der Lage wäre sein Amt auszuführen. Warum also treten die demokratischen Kandidaten nicht als Duo auf, um gemeinsame Sache gegen den Herausforderer zu machen?

Immerhin hat der republikanische Kandidat John McCain schon lange das Rennen in seiner Partei für sich entschieden und hat mit dem gezielten Wahlkampf gegen den demokratischen Kandidaten begonnen. Auch für sein Team scheint festzustehen, dass sein Herausforderer Barack Obama heißen wird und nicht Hillary Clinton. Gegen diese sagt er schon lange nichts mehr. Eigentlich müsste doch McCains Verhalten die Demokraten wachrütteln?!
Genauso kurios wie das Verhalten der demokratischen Kandidaten an sich, ist übrigens die Einstellung vieler Wähler in den USA – sie sind eigentlich Republikaner und überlegen nun im November den demokratischen Kandidaten Barack Obama zu unterstützen, sofern er zur Wahl steht. Die Demokratin Hillary Clinton aber würden sie nicht wählen, dann halt doch lieber ihren John McCain oder gar nicht zur Wahl gehen. Obama und Clinton sind beide Demokraten, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Sie – weiß, ziemlich alt, ziemlich erfahren in der Politik und ziemlich verkrampft; Er – schwarz, relativ jung, weniger Politik erfahren und ganz schön lässig. Aber eines haben sie dann doch wieder gemeinsam: Sie polarisieren die US-Amerikaner!

Clintons Rede in West Virginia neigt sich dem Ende, noch einmal betont sie ihren Willen, die erste Präsidentin der USA zu werden, noch einmal reißt sie die Arme in die Luft und winkt den Menschen vor Ort und vor dem Bildschirm zu. Der verlorene Glanz der Hillary Clinton kehrt für einen kurzen Augenblick zurück: Es regnet literweise blau-roter Konfetti vom Himmel! Mit diesen Bildern und einem dreiviertel Liter heißer Schokolade im Magen mache ich mich auf den Nachhauseweg.

JS