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John Edwards – der Mann weiß was er will

Mai 17, 2008

Man könnte ihn schon fast den ewigen Dritten nennen. John Edwards – schon 2004 versuchte er sein Glück, demokratischer Präsidentschaftskandidat zu werden. Leider konnte er nicht beim amerikanischen Volk punkten, wie er zunächst angenommen hatte.

Auch in diesem Jahr reihte sich Edwards zunächst in den Reigen der Mitstreiter um die begehrte Nominierung zum demokratischen Präsidentschaftskandidaten ein. Doch auch dieser Wahlkampf sollte es nicht gnädig mit ihm meinen, sah es zu Beginn ganz anders aus. Den Auftakt der Vorwahlen im US-Bundesstaat Iowa konnt er mit 30 % der Wählerstimmen für sich gewinnen und belegte damit knapp hinter Obama und vor Clinton den zweiten Platz.

Aber John Edwards wäre eben nicht jener erfolgreiche Anwalt, wenn er trotz misslungenen Verlaufs der Vorwahlen auf das richtige Pferd setzen würde. Aus einer sozial schwachen Schicht hat Edwards vor seiner politischen Karriere den Aufstieg zum knallharten Toplawyer gemeistert. Sein Privatvermögen wird auf mittlerweile über 30 Millionen US-$ geschätzt. Geld, das er übrigens mit zwei einzelnen Prozessen gewonnen hat – als er als Topanwalt die Interessen der unteren Mittelschicht vertreten hat. Kein Zweifel – John Edwards weiß was er will!

Nun positioniert sich Edwards im demokratischen Zweikampf zwischen Barack Obama und Hillary Clinton und ergreift Partei für seinen vorherigen innerparteilichen Konkurrenten Obama. Es ist sowohl für Obama als auch für Edwards eine Win-Win-Situation: Edwards hat bei der weißen Arbeiterschicht in den USA gepunktet, eine Zielgruppe, die eigentlich Hillary Clinton vorbehalten ist im Kampf gegen Obama. Nun könnte aber Obama ausgerechnet mit Edwards Hilfe die so wichtigen Stimmen der weißen Arbeiter Hillary Clinton abtrünnig machen.

Mit seiner offziellen und öffentlichen Positionierung ist nun Edwards selbst im Gespräch als Obamas möglicher Vizepräsident. Doch ob diese Rechnung ohne Hillary Clinton aufgeht? Es bleibt also spannend im Kampf um das Weiße Haus in Washington DC – den Edwards weiß was er will!

JS

Obama ist in West Virginia nicht zuhause

Mai 17, 2008

Gestern Abend, 21 Uhr in Washington DC: Ich bestelle mir gerade eine überdimensional große „Hot Chocolate“ in meinem Lieblingscafé auf dem „Capital Hill“, als die ersten Bilder der Vorwahlen in West Virginia über den Flatscreen laufen. Sofort nehme ich die Sofaecke im Café in Beschlag, um den Worten der Siegerin Hillary Clinton zu lauschen. Ein bisschen erinnert sie mich in ihrem korallfarbenen Outfit an unsere Bundeskanzlerin, aber spätestens als sie nach den Arme hochreißenden Siegerposen mit ihrer Rede beginnt, erlischt der Glanz.

Schon vorher stand fest, dass Hillary Clinton den Staat West Virginia für sich entscheiden würde und schon vorher war ebenfalls klar, dass Obama nicht wirklich auf diesen Staat setzen würde. Zur Ergebnisverkündung war er jedenfalls schon lange nicht mehr in West Virginia unterwegs, sondern mit der Vorbereitung der Wahlen im November beschäftigt. Während Hillary den Menschen vor dem Fernseher und vor Ort erklärt, wie wichtig ihr die Menschen in West Virginia seien und welche Erlebnisse sie in den letzten Tagen dort gemacht habe, ist Barack Obama bereits mit wichtigeren Dingen beschäftigt. Er gilt spätestens seit letzter Woche als sicherer Kandidat der Demokraten für die Präsidentschaftswahlen im November, auch wenn das offiziell noch nicht bestätigt wurde und das Clinton-Team es auch nicht wahrhaben will.

Clinton betont vehement, dass sie nicht aufgeben wolle und auch nach dem Ende der Vorwahlen am 3. Juni weiter kämpfe, um die demokratische Präsidentschaftskandidatin zu werden. Das letzte Wort in diesem „Battle“ haben die Superdelegierten am 24. August. Dann wird spätestens entschieden ob der demokratische Kandidat Barack Obama oder Hillary Clinton heißt. Die Chance, dass Clinton die Superdelegierten noch ausreichend für sich gewinnen kann, scheint zumindest nach Mediensicht fast aussichtslos. Warum sich aber die beiden demokratischen Lager zerfleischen und nicht gemeinsam in den Wahlkampf ziehen, um für ihre eine Partei zu kämpfen, ist immer mehr ein Mysterium und auch für mich unerklärlich.

Barack Obamas Frau Michelle hat erst vor einigen Tagen gesagt, dass es kein gemeinsames Ticket geben wird mit ihrem Mann und Hillary Clinton – also kein Team mit Obama als Präsidentschaftskandidaten und Clinton als Vizepräsidentin. Obamas Berater raten allerdings dazu, doch über einen gemeinsamen Wahlkampf zur Wahl im November nachzudenken. Hillary Clinton könnte damit zwar nicht die erste Präsidentin der USA werden, aber immerhin die erste Vizepräsidentin. Sie wäre damit die Anwärterin auf die Präsidentschaft, wenn Obama etwas zustoßen würde und er nicht in der Lage wäre sein Amt auszuführen. Warum also treten die demokratischen Kandidaten nicht als Duo auf, um gemeinsame Sache gegen den Herausforderer zu machen?

Immerhin hat der republikanische Kandidat John McCain schon lange das Rennen in seiner Partei für sich entschieden und hat mit dem gezielten Wahlkampf gegen den demokratischen Kandidaten begonnen. Auch für sein Team scheint festzustehen, dass sein Herausforderer Barack Obama heißen wird und nicht Hillary Clinton. Gegen diese sagt er schon lange nichts mehr. Eigentlich müsste doch McCains Verhalten die Demokraten wachrütteln?!
Genauso kurios wie das Verhalten der demokratischen Kandidaten an sich, ist übrigens die Einstellung vieler Wähler in den USA – sie sind eigentlich Republikaner und überlegen nun im November den demokratischen Kandidaten Barack Obama zu unterstützen, sofern er zur Wahl steht. Die Demokratin Hillary Clinton aber würden sie nicht wählen, dann halt doch lieber ihren John McCain oder gar nicht zur Wahl gehen. Obama und Clinton sind beide Demokraten, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Sie – weiß, ziemlich alt, ziemlich erfahren in der Politik und ziemlich verkrampft; Er – schwarz, relativ jung, weniger Politik erfahren und ganz schön lässig. Aber eines haben sie dann doch wieder gemeinsam: Sie polarisieren die US-Amerikaner!

Clintons Rede in West Virginia neigt sich dem Ende, noch einmal betont sie ihren Willen, die erste Präsidentin der USA zu werden, noch einmal reißt sie die Arme in die Luft und winkt den Menschen vor Ort und vor dem Bildschirm zu. Der verlorene Glanz der Hillary Clinton kehrt für einen kurzen Augenblick zurück: Es regnet literweise blau-roter Konfetti vom Himmel! Mit diesen Bildern und einem dreiviertel Liter heißer Schokolade im Magen mache ich mich auf den Nachhauseweg.

JS